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Literatur

Aufgelesen. Heidrun Hurst: Mord auf der Klosterinsel

Der Abt, seine Nichte und die Totgebissenen Lindberga hat es nicht leicht. Die junge Frau lebt ohne Mann und Kinder im Jahr 842 auf der „Insula Felix“,...
Die Autorin Heidrun Hurst lebt in der Nähe  von Kehl.
Die Autorin Heidrun Hurst lebt in der Nähe von Kehl.Foto: rist.archiv

Der Abt, seine Nichte und die Totgebissenen

Lindberga hat es nicht leicht. Die junge Frau lebt ohne Mann und Kinder im Jahr 842 auf der „Insula Felix“, lateinisch für glückliche Insel, in der reichen Au, also auf der heutigen Insel Reichenau im Untersee, dem westlichen Teil des Bodensees.

Autorin Heidrun Hurst schreibt Lindberga jedoch in ihrem historischen Kriminalroman „Mord auf der Klosterinsel“ einige Privilegien auf den Leib: Lindberga ist von edler Abstammung, durchsetzungsbereit- und fähig und durch den frühen Tod ihres alten, reichen Ehemannes außerdem vermögend.

Abt Walahfried

Dass sie gegen ihren Willen mit diesem verheiratet worden war, das hatte sie ihrem Onkel Walahfrid Strabo, dem Abt des Klosters auf der Reichenau, zu verdanken. Zu ihm war sie nach dem frühen Tod ihrer Eltern gekommen, und aus zeitgenössischer Sicht von Walahfrid war mit der Ehe für Lindberga gesorgt.

Als relativ wohlhabende Witwe ist Lindberga nun unabhängig von den Machtansprüchen eines Mannes. Sie muss sich von niemand etwas sagen lassen. Die Leute im Dorf probieren es auch gar nicht ernsthaft. Und so kann Lindberga eigene, einfache, und dennoch gefährliche, Nachforschungen anstellen, als die Reichenau von einer Mordserie überzogen wird.

Kratzwunden

Zuerst wird ein Fischer am Ufer des Sees angeschwemmt. Er ist fürchterlich zugerichtet, und die Menschen vermuten, dass ihn eine Bestie, ein Gestaltwandler, in diesem Fall ein Werwolf, getötet hat. Es dauert nicht lange, bis ein zweites Opfer mit ähnlichen Biss- und Kratzwunden gefunden wird. Die Dorfbevölkerung erinnert sich an den Köhler und seine Familie, die außerhalb des Dorfes im Wald wohnen. Der Köhler leidet an Hypertrichose, übermäßigem Haarwuchs, seine Behaarung erinnert rein optisch an die eines Bären oder eines Wolfes. Es dauert nicht lange, bis die Dorfgemeinschaft sich gegenseitig so hochschaukelt, dass sie diese Andersartigkeit mit der Todesstrafe belegen will.

Ob das die Mordserie beenden würde, sei hier nicht weiter ausgeführt. Lindberga jedenfalls hat genug zu tun. Dann wird auch noch ihr Onkel auf unliebsame Weise von den Geschehnissen eingeholt…

Flüssiger Stil

Heidrun Hurst hat in flüssigem Stil in einem spannenden Kriminalroman ein Bild der damaligen Zeit geschaffen. Die historischen Gegebenheiten hat sie, wie sie im Nachwort schreibt, sorgfältig recherchiert. Sie gehe in Archive und lese Fachliteratur, um sich über einen historischen Zeitabschnitt in einer bestimmten Region zu informieren, sagt sie. Immer wieder stellt sie die politischen Verhältnisse heraus, in der Zeit, in der der Roman spielt, geht es um den Streit um das Erbe von Ludwig dem Frommen. Die Handlung des Romans sei jedoch eine fiktive Geschichte, eingebettet in den Kontext des 9.Jahrhunderts.

Damals habe das gesamte Gelände der Reichenau als Klosterbezirk gegolten. Gegründet wurde das Kloster vermutlich vom Wandermönch Pirmin, der im Jahr 724 auf der Insel angekommen sein soll. Historisch korrekt ist auch, dass der Benediktinermönch Walahfrid Strabo von 842 bis 849 Abt im Kloster war. Er habe, wie im Buch, sich gerne im Garten aufgehalten und darüber auch ein Gedicht geschrieben. „Die Nichte Lindberga allerdings entspringt meiner eigenen Fantasie“, so Heidrun Hurst. (rist)

Info

Heidrun Hurst: Mord auf der Klosterinsel. Emons Verlag, Oktober 2025, 320 Seiten, 13,5 x 3,2 x 20,3 cm, ISBN-10‏: ‎3740825804, ISBN-13‏: ‎978-3740825805, Taschenbuch 16,00 Euro, Kindle 13,99 Euro

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Heidrun Hurst, 60 Jahre alt, ist in einem kleinen Dörfchen bei Kehl aufgewachsen. Dort lebt sie inzwischen auch wieder. Nachdem ihre drei Söhne alt genug waren, begann sie historische Romane und Kurzgeschichten zu schreiben. Ihr Schwerpunkt liegt auf Handlungsorten in der Region und auf Kriminalgeschichten.

Erscheinung
exklusiv online
von Redaktion NUSSBAUMRedaktion NUSSBAUM
05.03.2026
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Karlsruhe
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