Welche Spuren hinterlässt der Klimawandel im Naturpark Schwarzwald Mitte/Nord? Welche Möglichkeiten gibt es, um die Region an die sich verändernden Klimabedingungen anzupassen? Und was wird bereits gemacht? Um diese Fragen drehte sich die diesjährige Klimabotschafter-Ausbildung des Naturparks Schwarzwald Mitte/Nord.
Am Samstag (22. November) hat der Naturpark in Bühlertal 15 weitere Naturpark-Klimabotschafterinnen und Klimabotschafter ausgezeichnet. Sie kommen aus Karlsruhe, Baden-Baden, Baiersbronn, Bühl, Bühlertal, Dornhan, Enzklösterle, Nordrach, Lauf, Obernheim, Ohlsbach, Schömberg. Als Multiplikatorinnen und Multiplikatoren sind sie zum Thema Klimawandel im Naturpark im nördlichen und mittleren Schwarzwald aktiv. Damit ist das Netzwerk an Naturpark-Klimabotschafterinnen und -botschaftern im Schwarzwald in den vergangenen fünf Jahren auf rund 80 angewachsen.
Die Ausbildung setzte sich aus acht Seminartagen zwischen Juli und November zusammen. Behandelt wurden die Themenbereiche Landwirtschaft, Gewässer, Moore, Wald, kommunaler Klimaschutz und Biodiversität sowie regenerative Energie in Theorie und Praxis, inklusive Exkursionen zu unterschiedlichen Naturräumen im nördlichen und mittleren Schwarzwald.
Ausbildung zum Multiplikator für Klimawandel im Naturpark
„Unsere Naturpark-Klimabotschafterinnen und -botschafter geben ihr Wissen in ihrem Umfeld beruflich als auch privat weiter, informieren und sensibilisieren“, führt der Geschäftsführer des Naturparks Schwarzwald Mitte/Nord, Karl-Heinz Dunker, aus. „In den verschiedensten Bereichen wie Bildung, Tourismus, Forst- und Landwirtschaft, freie Wirtschaft oder Energieberatung klären sie über den Klimawandel in unserer Region auf und sorgen für eine konstruktive Herangehensweise an die Thematik.“
Für diesen lösungsorientierten Ansatz sieht die Ausbildung mehr als reine Wissensvermittlung vor. „Uns ist es wichtig, dass die Teilnehmenden einen persönlichen Bezug zum Thema entwickeln. Das funktioniert zum einen über unsere Expertinnen und Experten, die die Seminare und Exkursionen leiten“, erläutert Helena Böddeker, Fachbereichsleiterin Klimaschutz und Klimaanpassung beim Naturpark Schwarzwald Mitte/Nord. „Zum anderen wird anschließend jede und jeder als Multiplikatorin und Multiplikator das Gelernte auf den jeweiligen Fachbereich übertragen und dort weitergeben. Dieser individuelle Transfer ist uns besonders wichtig. Denn darüber kommen wir miteinander ins Gespräch und das Gelernte erhält eine individuelle Note.“
Das sagen Naturpark-Klimabotschafter über die Ausbildung
Eine der frisch zertifizierten Naturpark-Klimabotschafterinnen ist Tabea Nachbar. Die 26-Jährige lehrt am Forstlichen Ausbildungszentrum Mattenhof in Gengenbach. Dort bildet sie Forstwirtinnen und Forstwirte aus ganz Baden-Württemberg aus. Wie Nachbar das Gelernte künftig anwendet? „Das neu gewonnene Wissen sowie die Zusammenhänge im Bereich Klimawandel gebe ich durch meine Lehrtätigkeit an die nächste Generation weiter. Denn sie formt die Zukunft unserer heimischen Wälder“, beschreibt Nachbar. Besonders wichtig ist ihr dabei, greifbare Beispiele geben zu können. Und wo kann man besser lernen als vor der eigenen Haustür? „Wir haben im Rahmen des Wald-Lehrgangs mit Hilfe eines CO2-Maßbandes ermittelt, wie viele Kilogramm CO2 in einer 80-jährigen Douglasie eingelagert sind. Dies haben wir in Relation zum durchschnittlichen jährlichen CO2-Fußabdruck eines Menschen gesetzt“, führt Nachbar als angewandte Theorie in der Praxis an. Auf diese Weise bleibe das Gelernte nachhaltig im Gedächtnis – gerade dann, wenn es mit der eigenen Region verbunden sei. Die Theorie in den speziellen Lebensräumen selbst zu erfahren, war für Nachbar besonders eindrücklich. „Es war ein wunderschönes Gefühl, das Hochmoor auf dem Kaltenbronn im Wiedervernässungs-Prozess zu erkunden und tiefer in diesen Schatz der Natur einzutauchen“, berichtet die Forstwirtin.
In ein mehrtägiges Planspiel rund ums Thema Klima lässt der Erlebnis- und Umweltpädagoge Robin Miller seine neuen Erkenntnisse und Skills als Naturpark-Klimabotschafter einfließen. Und Catharina Haessler aus Schömberg-Bieselsberg möchte in ihrer Funktion als Gemeinderätin ihr Wissen in die kommunale Politik einbringen. Auch würde sie gerne in den Schulklassen ihrer Kinder Projekte rund um den Klimawandel im Naturpark initiieren. Was die Försterin, Mutter, Waldpädagogin, Unternehmerin und Politikerin aus der Ausbildung mitnimmt? „Ich möchte sachlich und ruhig mit mehr Background mit den Menschen reden. Sei es bei der Wald-Führung, beim Familien-Event, in der Gemeinderats-Sitzung, mit Feriengästen, Nachbarn, Freunden“, sagt Haessler.
Das Experten-Netzwerk des Naturparks
Besonders an der Klimabotschafter-Ausbildung des Naturparks ist die Kombination aus theoretischem und praktischem Wissen. Jeder Themen-Lehrgang enthält einen theoretischen Teil zur Einführung. Welche Erfahrungen in der Praxis gemacht werden, erfahren die Teilnehmenden dann bei Exkursionen von den Praktikerinnen und Praktikern direkt vor Ort, etwa bei einer Besichtigung des Aspichhofs von Landwirt Dr. Ewald Glaser in Ottersweier.

