
Zur bevorstehenden Landtagswahl wollte NUSSBAUM.de von Kandidaten des Wahlkreises 40 Schwetzingen wissen, wie sie zu viel diskutierten Themen stehen und welche Lösungsansätze sie verfolgen. Diese Woche: Holger Höfs (FDP)
Holger Höfs, Geschäftsführer, wohnt in Oftersheim und ist seit 1999 Mitglied bei der FDP.
NUSSBAUM.de: Viele Schulen in Baden-Württemberg stehen vor großen Herausforderungen – vom Lehrkräftemangel über Unterrichtsausfall bis hin zu maroden Schulgebäuden und der Umsetzung von Digitalisierung. Wo sehen Sie aktuell den dringendsten Handlungsbedarf im Bildungsbereich.
Holger Höfs: Der dringendste Handlungsbedarf im Bildungsbereich ist für mich die verlässliche Sicherstellung von Unterricht. Lehrkräftemangel und Unterrichtsausfall dürfen kein Normalzustand sein. Rund 1.400 sogenannte „Geisterstellen“, die im System als besetzt galten, müssen konsequent mit Lehrkräften oder qualifizierten Quereinsteigern neu besetzt werden. Als Ausbilder ist mir der Erhalt des gegliederten Schulsystems besonders wichtig. Real- und Werkrealschulen stehen für Praxisnähe, klare Berufsorientierung und leisten einen entscheidenden Beitrag zur Fachkräftesicherung – gerade im Handwerk und in der Industrie. Eine Einheitsschule wird diesen unterschiedlichen Begabungen und Bildungswegen nicht gerecht.
NUSSBAUM.de: Viele Kommunen fühlen sich bei Migration und Integration überfordert. Wie schätzen Sie die Situation ein, und welche Ansätze halten Sie für besonders geeignet, um Städte und Gemeinden zu unterstützen?
Holger Höfs: Viele Kommunen sind bei Migration und Integration an ihrer Belastungsgrenze. Es fehlt nicht am Engagement vor Ort, sondern an klarer Steuerung, schnellen Verfahren und verlässlicher Unterstützung durch Bund und Land. Wer einen Schutzanspruch hat, muss zügig integriert werden. Wer keinen hat, muss unser Land wieder verlassen. Das entlastet Kommunen und schafft Akzeptanz. Das Land muss die Kosten zuverlässig übernehmen, statt neue Vorgaben zu machen. Integration gelingt vor allem durch Sprache und Arbeit: frühe Sprachförderung, schnelle Arbeitserlaubnisse und Anerkennung von Qualifikationen. Arbeit muss einfacher sein, als dauerhaft im Sozialnetz zu bleiben.
NUSSBAUM.de: Die Situation in der Pflege wird als dramatisch beschrieben. Wie beurteilen Sie die Lage aktuell, und wo sehen Sie die dringendsten Probleme?
Holger Höfs: Die Pflege liegt am Boden – das wissen wir seit vielen Jahren. Trotzdem werden die Anforderungen an Qualifikation und Fachwissen immer höher, während gleichzeitig niemand bereit oder in der Lage ist, diese Leistung angemessen zu bezahlen. Mehr Lohn bedeutet höhere Vergütungssätze, und diese schlagen sich wiederum in höheren Zuzahlungen für die Bürgerinnen und Bürger nieder. Wer pflegebedürftig ist, erwartet hochqualifizierte Fachkräfte, die auf dem aktuellen Stand der Wissenschaft arbeiten – jedoch oft zu Bedingungen nahe dem Mindestlohn. Das ist ein unhaltbarer Widerspruch. Pflegekosten müssen staatlich finanziert werden. Der Umgang mit alten und kranken Menschen zeigt, welchen Wert wir ihnen als Gesellschaft beimessen. Selbstbestimmt zu Hause leben zu können, muss ein Grundrecht sein – ebenso wie der Zugang zu festen, verlässlichen Pflegestrukturen. Pflege ist ein zutiefst wertvoller und gesellschaftlich unverzichtbarer Beruf. Die für die Pflege vorgesehenen Gelder müssen in Deutschland bleiben. Die Pflegeversicherung ist derzeit leider nur eine Teilkaskoversicherung und reicht nicht aus. Pflege muss für alle Menschen bezahlbar sein. Für die Zukunft wünsche ich mir mehr Wertschätzung und Anerkennung der Pflegeausbildung. Ich wünsche jeder Pflegekraft Kraft, Durchhaltevermögen – und dass sie mit Freude in diesem Beruf bleiben kann
NUSSBAUM.de: Der öffentliche Nahverkehr ist in vielen Regionen unzuverlässig. Welche konkreten Schritte halten Sie für notwendig, um Mobilität für Stadt und Land sicherzustellen?
Holger Höfs: Mobilität muss funktionieren – in der Stadt wie auf dem Land. Priorität hat die Zuverlässigkeit: realistische Fahrpläne, weniger Ausfälle und die Instandhaltung bestehender Netze. Das Land muss die Verkehrsverbünde besser koordinieren und Verantwortung übernehmen. Im ländlichen Raum brauchen wir flexible Lösungen wie On-Demand-Verkehre und Bürgerbusse. Der Pkw bleibt ein wichtiger Bestandteil der Mobilität und darf nicht ideologisch ausgegrenzt werden. Wichtig sind Investitionen in Infrastruktur und Digitalisierung. Im Wahlkreis Schwetzingen ist eine bessere Anbindung von Reilingen, Brühl und Ketsch dringend erforderlich.
NUSSBAUM.de: Der Strukturwandel in der Industrie führt in Baden-Württemberg zu Arbeitsplatzabbau, besonders in der Automobil- und Zulieferbranche. Welche konkreten Instrumente des Landes halten Sie für geeignet, um den industriellen Kern des Landes zu sichern?
Holger Höfs: Der Strukturwandel trifft Baden-Württemberg besonders stark, vor allem die Automobil- und Zulieferbranche. Der industrielle Kern unseres Landes muss aktiv gesichert werden. Entscheidend ist Technologieoffenheit: Das Land darf keine Antriebsart vorschreiben, sondern muss Innovation ermöglichen – von Elektromobilität über Wasserstoff bis zu synthetischen Kraftstoffen. Ideologische Festlegungen gefährden Arbeitsplätze. Ebenso wichtig ist Bürokratieabbau: Investitionen scheitern zu oft an langen Genehmigungsverfahren. Förderprogramme müssen praxisnah beim Mittelstand und den Zulieferern ankommen. Weiterbildung und Qualifizierung sichern Fachkräfte und federn den Wandel sozial ab.
NUSSBAUM.de: Viele Menschen klagen über steigende Mieten und Baupreise. Wie beurteilen Sie die aktuelle Situation auf dem Wohnungsmarkt und welche Herausforderungen sehen Sie für die nächsten Jahre?
Holger Höfs: Steigende Mieten sind vor allem Folge von Wohnraummangel, hohen Baukosten und langen Genehmigungsverfahren. Die Lösung
heißt: schneller, einfacher und günstiger bauen. Dafür brauchen wir Bürokratieabbau, vereinfachtes Baurecht, serielle und modulare Bauweisen sowie digitale Genehmigungsverfahren. Baukosten müssen sinken – durch weniger Normen, geringere Abgaben und eine Entlastung bei der Grunderwerbsteuer. Private Investitionen sind der Schlüssel für mehr Wohnraum im Miet- und Eigentumsbereich. Bezahlbares Wohnen entsteht durch mehr Angebot, nicht durch staatliche Preisdeckel.
NUSSBAUM.de: Welche landespolitischen Entscheidungen halten Sie für realistisch, um Haushalte mit niedrigen und mittleren Einkommen spürbar zu entlasten?
Holger Höfs: Familien brauchen echte finanzielle Entlastung. Elternbeiträge für Kitas und Kindertagespflege sollten vollständig vom Land übernommen werden. Das entlastet Haushalte direkt und verbessert die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Zusätzlich würden eine Senkung der Grunderwerbsteuer sowie ein vereinfachtes Baurecht den Kostendruck für Familien mit Eigenheimswunsch deutlich reduzieren. Weniger Gebühren, geringere Verwaltungskosten und ein digitaler Behördenservice sparen Zeit und Geld. Familienpolitik muss im Alltag wirken – nicht nur auf dem Papier.
NUSSBAUM.de: Die Energiewende wird oft als teuer und kompliziert wahrgenommen. Welche Schritte würden Sie ergreifen, um den Klimaschutz sozial gerecht, wirtschaftlich tragfähig und technisch machbar umzusetzen?
Holger Höfs: Klimaschutz kann nur gelingen, wenn Energie bezahlbar bleibt und Versorgungssicherheit gewährleistet ist. Dafür braucht es schnellere Genehmigungen für Netze, Speicher und erneuerbare Energien sowie konsequenten Bürokratieabbau. Statt Verbote setzt die FDP auf Technologieoffenheit: Strom aus Erneuerbaren, Wasserstoff, synthetische Kraftstoffe und andere klimafreundliche Lösungen dort, wo Elektrifizierung an Grenzen stößt. Klimaschutz darf Haushalte mit kleinen und mittleren Einkommen nicht überfordern. Entlastungen müssen direkt bei den Energiepreisen ankommen und Investitionen wirtschaftlich tragfähig bleiben.
NUSSBAUM.de: Die polizeiliche Kriminalitätsstatistik (PKS) für Baden-Württemberg zeichnet ein differenziertes Bild: Während die Gesamtzahl der Straftaten leicht gesunken ist, gibt es einen besorgniserregenden Anstieg bei bestimmten Gewalt- und Kriminalitätsformen. Welche Maßnahmen halten Sie für notwendig, um Sicherheit im öffentlichen Raum zu erhöhen, ohne Freiheitsrechte einzuschränken?
Holger Höfs: Sicherheit im öffentlichen Raum ist Voraussetzung für Freiheit. Ich setze mich für mehr sichtbare Präsenz von Polizei und Ordnungsdiensten ein. Eine bessere Ausstattung und moderne digitale Ermittlungsinstrumente müssen gezielt eingesetzt werden. Straftaten sind konsequent zu verfolgen, Urteile zügig zu vollstrecken. Wer andere bedroht oder angreift, muss die volle Härte des Rechtsstaats spüren. Ergänzend braucht es bessere Beleuchtung, sichere Verkehrskonzepte, Präventionsarbeit und eine enge Zusammenarbeit von Kommunen, Polizei und Zivilgesellschaft – ohne Generalverdacht gegenüber den Bürgerinnen und Bürgern.
NUSSBAUM.de: In Hockenheim ist das Aquadrom wegen des steigenden Defizits ein Sorgenkind der Stadtverwaltung. Wie kann die Kommune angemessen reagieren, ohne dabei die berechtigten Bürgerinteressen bezüglich Gesundheitsversorgung und Freizeitgestaltung zu vernachlässigen?
Holger Höfs: Das Aquadrom mit Freibad ist ein wichtiger Bestandteil der Lebensqualität in Hockenheim und soll erhalten bleiben – in reduzierter, aber tragfähiger Form. Ein „Weiter so“ ist nicht möglich. Ohne strukturelle Veränderungen ist ein wirtschaftlicher Betrieb langfristig nicht machbar. Deshalb müssen alle Fördermöglichkeiten von Bund und Land geprüft und genutzt werden. Ziel ist ein nachhaltiges Konzept, das Betriebskosten senkt, Investitionen ermöglicht und den städtischen Haushalt nicht dauerhaft überfordert. Es geht nicht um Schließung, sondern um Sicherung durch Reform – für Sport, Freizeit und Begegnung.
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