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Für den Wahlkreis 40 Schwetzingen

Landtagskandidat Vincent Kilian (SPD) im Gespräch

Zehn Fragen an Kandidat Vincent Kilian (SPD) zur bevorstehenden Landtagswahl am 8. März 2026.
Vincent Kilian, Landtagskandidat der SPD, Porträt vor rotem Hintergrund.
Vincent Kilian tritt als Student für die SPD zur Landtagswahl im Wahlkreis 40 Schwetzingen an.Foto: Kilian

Zur bevorstehenden Landtagswahl wollte NUSSBAUM.de von Kandidaten des Wahlkreises 40 Schwetzingen wissen, wie sie zu viel diskutierten Themen stehen und welche Lösungsansätze sie verfolgen. Diese Woche: Vincent Kilian. Er kandidiert zur Landtagswahl für die SPD. Er studiert Geschichte und Mathematik auf Lehramt, ist seit vier Jahren mit der SPD in der Politik aktiv und lebt in Hockenheim.

NUSSBAUM.de: Viele Schulen in Baden-Württemberg stehen vor großen Herausforderungen – vom Lehrkräftemangel über Unterrichtsausfall bis hin zu maroden Schulgebäuden und der Umsetzung von Digitalisierung. Wo sehen Sie aktuell den dringendsten Handlungsbedarf im Bildungsbereich.

Vincent Kilian: Der dringendste Handlungsbedarf liegt für mich bei der Sicherstellung eines verlässlichen Unterrichts. Wenn Unterricht regelmäßig ausfällt, verschärft das Bildungsungleichheit und belastet Familien enorm. Deshalb müssen wir deutlich mehr Lehrkräfte gewinnen, die Ausbildungskapazitäten ausbauen, Quereinstiege sinnvoll begleiten und Vertretungsreserven schaffen. Gleichzeitig brauchen unsere Schulen moderne Gebäude, funktionierende Digitalisierung und gut ausgestattete Ganztagsangebote mit multiprofessionellen Teams. Bildungsgerechtigkeit entscheidet sich im Alltag – und der muss wieder stabil funktionieren.

NUSSBAUM.de: Viele Kommunen fühlen sich bei Migration und Integration überfordert. Wie schätzen Sie die Situation ein, und welche Ansätze halten Sie für besonders geeignet, um Städte und Gemeinden zu unterstützen?

Kilian: Viele Kommunen sind bei Unterbringung, Sprachförderung und Integration schlicht überlastet. Deshalb braucht es planbare Unterstützung durch das Land statt kurzfristiger Notlösungen. Wir wollen Integrationsmanagement dauerhaft finanzieren, klare Standards für Unterkünfte setzen und Verwaltungen personell stärken, damit Verfahren schneller laufen. Integration gelingt vor allem dann, wenn Menschen früh Zugang zu Sprache, Arbeit, Bildung und Beratung bekommen. Unser Ziel ist, Kommunen organisatorisch und finanziell so auszustatten, dass sie diese Aufgaben verlässlich stemmen können.

NUSSBAUM.de: Die Situation in der Pflege wird als dramatisch beschrieben. Wie beurteilen Sie die Lage aktuell, und wo sehen Sie die dringendsten Probleme?

Kilian: Die Situation in der Pflege ist ernst, weil Personal fehlt, Beschäftigte überlastet sind und gleichzeitig die Kosten für Pflegebedürftige steigen. Wir müssen die Arbeitsbedingungen verbessern, mehr Fachkräfte ausbilden und Pflegeberufe attraktiver machen. Zugleich gehört Pflege bezahlbar organisiert, etwa durch eine stärkere Beteiligung des Landes an Investitionskosten von Einrichtungen. Auch Angehörige brauchen Entlastung durch Tagespflege, Beratung und bessere Unterstützung im Alltag. Gute Pflege darf keine Frage des Geldbeutels sein.

NUSSBAUM.de: Der öffentliche Nahverkehr ist in vielen Regionen unzuverlässig. Welche konkreten Schritte halten Sie für notwendig, um Mobilität für Stadt und Land sicherzustellen?

Kilian: Mobilität ist Teil der öffentlichen Daseinsvorsorge – egal ob in der Stadt oder auf dem Land. Deshalb brauchen wir einen zuverlässigen, bezahlbaren und gut getakteten Nahverkehr. Wir wollen günstige und sozial gestaffelte Tickets sichern, in Schiene, Busse und Personal investieren und klare Qualitätsstandards für Pünktlichkeit und Sauberkeit festlegen. Gerade im ländlichen Raum müssen flexible Angebote wie Rufbusse oder Nachtverbindungen ausgebaut werden. Unser Ziel ist, dass man sich auf den ÖPNV genauso verlassen kann wie auf das eigene Auto.

NUSSBAUM.de: Der Strukturwandel in der Industrie führt in Baden-Württemberg zu Arbeitsplatzabbau besonders in der Automobil- und Zulieferbranche. Welche konkreten Instrumente des Landes halten Sie für geeignet, um den industriellen Kern des Landes zu sichern?

Kilian: Der Strukturwandel trifft Baden-Württemberg als Industrieland besonders stark, vor allem in der Automobil- und Zulieferbranche. Unser Ansatz ist, Transformation aktiv zu gestalten, statt sie einfach geschehen zu lassen. Das Land soll Investitionen in Innovation, neue Technologien und Qualifizierung gezielt fördern und regionale Transformationsprozesse gemeinsam mit Gewerkschaften, Unternehmen und Beschäftigten steuern. Staatliche Unterstützung muss an Standort- und Beschäftigungssicherung gekoppelt sein. So bleibt Wertschöpfung im Land und gute Arbeit erhalten.

NUSSBAUM.de: Viele Menschen klagen über steigende Mieten und Baupreise. Wie beurteilen Sie die aktuelle Situation auf dem Wohnungsmarkt und welche Herausforderungen sehen Sie für die nächsten Jahre?

Kilian: Steigende Mieten und Baupreise setzen viele Menschen massiv unter Druck. Bezahlbarer Wohnraum ist aber ein Grundrecht, deshalb muss das Land stärker in den sozialen und gemeinwohlorientierten Wohnungsbau investieren. Wir wollen kommunale und genossenschaftliche Träger stärken, Sozialbindungen verlängern und gegen Leerstand sowie Zweckentfremdung konsequenter vorgehen. Gleichzeitig wollen wir Familien beim Eigentumserwerb entlasten. Wohnen darf nicht zum Luxusgut werden.

NUSSBAUM.de: Welche landespolitischen Entscheidungen halten Sie für realistisch, um Haushalte mit niedrigen und mittleren Einkommen spürbar zu entlasten?

Kilian: Wer wenig oder durchschnittlich verdient, spürt steigende Preise am stärksten. Deshalb setzen wir bei den alltäglichen Kosten an: gebührenfreie Kitas, bezahlbare Mobilität, gezielte Unterstützung bei Energie- und Heizkosten sowie Entlastungen beim Wohnen. Solche Maßnahmen wirken direkt im Geldbeutel. Gleichzeitig stärken wir Einkommen durch gute Arbeit, Weiterbildung und faire Löhne. Unser Ziel ist, dass sich Leistung wieder lohnt und Familien finanziell Luft zum Atmen haben.

NUSSBAUM.de: Die Energiewende wird oft als teuer und kompliziert wahrgenommen. Welche Schritte würden Sie ergreifen, um den Klimaschutz sozial gerecht, wirtschaftlich tragfähig und technisch machbar umzusetzen?

Kilian: Klimaschutz funktioniert nur, wenn er sozial gerecht und wirtschaftlich vernünftig umgesetzt wird. Wir wollen den Ausbau erneuerbarer Energien beschleunigen, Wärmenetze stärken und Kommunen bei der Planung unterstützen. Gleichzeitig müssen Haushalte mit geringem Einkommen durch Förderprogramme, Staffelmodelle und Härtefallregelungen geschützt werden. Bürgerenergie und Genossenschaften sollen stärker beteiligt werden, damit Wertschöpfung vor Ort bleibt. Die Energiewende darf kein Belastungsprojekt sein, sondern eine Chance für moderne Infrastruktur und sichere Arbeitsplätze.

NUSSBAUM.de: Die polizeiliche Kriminalitätsstatistik (PKS) für Baden-Württemberg zeichnet ein differenziertes Bild: Während die Gesamtzahl der Straftaten leicht gesunken ist, gibt es einen besorgniserregenden Anstieg bei bestimmten Gewalt- und Kriminalitätsformen. Welche Maßnahmen halten Sie für notwendig, um Sicherheit im öffentlichen Raum zu erhöhen, ohne Freiheitsrechte einzuschränken?

Kilian: Sicherheit im öffentlichen Raum erreichen wir nicht durch den Abbau von Freiheitsrechten, sondern durch Prävention, Präsenz und gut ausgestattete Sicherheitsbehörden. Wir wollen mehr Personal, bessere Ausbildung und Unterstützung für Polizei und Justiz, aber zugleich klare rechtsstaatliche Grenzen beim Einsatz von Überwachungstechnologien. Präventionsarbeit mit Jugendlichen, konsequentes Vorgehen gegen Hasskriminalität und eine starke Resozialisierung sind ebenso wichtig wie sichtbare Polizeiarbeit. Sicherheit und Freiheit gehören für uns untrennbar zusammen.

NUSSBAUM.de: Immer mehr Notfallpraxen schließen, und auch die medizinische Versorgung auf dem Land ist oft lückenhaft. Welche Strategien würden Sie verfolgen, um eine flächendeckende und verlässliche Versorgung sicherzustellen?

Kilian: Gerade im ländlichen Raum schließen Praxen und Notfallangebote – das dürfen wir nicht hinnehmen. Unser Ziel ist eine wohnortnahe, verlässliche Versorgung mit klaren Erreichbarkeitsstandards für Notdienste und Kliniken. Dazu gehören bessere Rahmenbedingungen für Haus- und Fachärztinnen und -ärzte, mehr Weiterbildungsplätze im ambulanten Bereich und neue Versorgungsmodelle wie Gesundheitszentren oder mobile Angebote. Das Land muss hier aktiv steuern und fördern, damit medizinische Hilfe nicht vom Wohnort abhängt.

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