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Im Video: Mario Basler rechnet ab

Mario Basler kritisiert Nagelsmann und zweifelt an WM-Erfolg

Klartext vom Europameister im Video-Interview: Fehlende WM-Stimmung, Kritik an Julian Nagelsmann und Zweifel am Titel.
Mario Basler kritisiert Nagelsmann und zweifelt an WM-Erfolg. Hier bei seinem Bühnenprogramm "Basler ballert" im Mannheimer Capitol".Foto: bh

Ex-Nationalspieler Mario Basler nimmt sich beim Tourstopp seines Bühnenprogramms „Basler ballert“ im Mannheimer Capitol Zeit für klare Worte. Zwischen Zigarettenpause und Auftritt spricht er mit NUSSBAUM.de über die fehlende WM-Euphorie, zweifelhafte Entscheidungen von Bundestrainer Julian Nagelsmann, die Unterschiede zwischen früher und heute – und gibt Einblicke, die so nur Basler liefern kann.

Kaum WM-Stimmung im Land

„Also wenn ich ehrlich bin, so eine richtige WM-Stimmung haben wir im Moment im ganzen Land nicht“, sagt Basler direkt zu Beginn. „Das ist einfach nicht spürbar. Früher hast du Wochen vorher gemerkt, dass da was kommt – dieses Kribbeln, diese Vorfreude. Das fehlt aktuell komplett.“

Natürlich werde er die Spiele verfolgen, „wir gucken und lassen uns überraschen, was unsere Mannschaft da zusammenbringt“. Doch die Erwartungen sind gedämpft: „Ich würde mir wünschen, dass wir Weltmeister werden, klar. Aber mir fehlt ein bisschen der Glaube daran.“

Bereits vor längerer Zeit habe er seine Ansprüche heruntergeschraubt: „Ich habe schon vor mehr als einem Jahr gesagt: Ich wäre schon mal wieder zufrieden mit einem Viertelfinale bei einer WM.“ Gerade die jüngsten Auftritte hätten wenig Anlass zur Euphorie gegeben. „Die letzten Spiele, auch die Freundschaftsspiele gegen Gegner, die jetzt keine Top-Gegner waren, eher Mittelmaß – das hat nicht überzeugt. Ich hoffe, dass sie in zwei Monaten einen besseren Fußball spielen, weil das müssen sie auf jeden Fall machen.“

Video: Basler im Interview – WM-Chancen & Typen-Diskussion

Deutliche Kritik an Nagelsmann und Nominierungen

Besonders deutlich wird Basler beim Thema Bundestrainer. Schon beim Auftaktgegner zeigt er sich irritiert: „Ich wusste nicht mal, dass Curacao überhaupt Fußball spielt – ich hab das bisher immer nur getrunken.“

Noch weniger Verständnis hat er für die Einordnung des Spiels: „Und wenn ich dann höre, dass Julian Nagelsmann sagt, das wird ein ‚schweres‘ Spiel zum Auftakt – häää? Wieso schwer? Das darf für Deutschland kein schweres Spiel sein.“

Grundsätzlich sieht Basler die Entwicklung unter dem Bundestrainer kritisch: „Ich hoffe ja ehrlich gesagt, dass er vor der WM noch gehen muss, weil mich das in den letzten Jahren nicht überzeugt hat.“ Vor allem die Kommunikation sorgt bei ihm für Unverständnis: „Er sagt immer, es geht ums Leistungsprinzip – dass nur die Spieler mitfahren, die auch in den Vereinen spielen.“

Für Basler passt das jedoch nicht mit der Realität zusammen: „Und dann nimmt er Spieler mit, die im Verein auf der Bank sitzen - wie Leroy Sané - und gar nicht spielen. Das passt doch nicht. Die Aussagen vom Bundestrainer in den letzten Monaten sind kurios, teilweise wirklich grenzwertig.“

Ein konkretes Beispiel bringt ihn besonders auf die Palme: „Da hast du einen Deniz Undav, der aktuell unser bester deutscher Stürmer ist – und der muss sich erklären, warum er mit zur WM darf. Gleichzeitig lässt er andere spielen mit der Begründung, sie brauchen Selbstvertrauen, während einer, der Selbstvertrauen hat, auf der Bank sitzt. Das raff ich einfach nicht.“

„Typen-Diskussion bringt nichts mehr“

Auch das oft diskutierte Thema fehlender Persönlichkeiten im Team ordnet Basler ein: „Das ist mittlerweile ein leidiges Thema. Diese Fragen kommen seit zehn, fünfzehn Jahren immer wieder.“

Für ihn liegt die Ursache vor allem im Wandel der Zeit: „Man darf nicht vergessen: Die Zeit hat sich geändert. Social Media ist heute so präsent, dass es viel schwieriger ist, solche Typen überhaupt entstehen zu lassen.“

Basler erklärt: „Wenn die Spieler heute im Urlaub sind oder mal in eine Diskothek gehen, dann ist das sofort überall zu sehen. Auf allen Social-Media-Seiten. Das ist ein großes Problem. Die Spieler überlegen sich dreimal, was sie machen.“

Sein Fazit: „Deswegen sollte man diese Typen-Diskussion irgendwann auch mal vergessen und die Fußballer einfach Fußballer sein lassen.“

Rückblick auf frühere Generationen

Wenn es um den Vergleich mit früher geht, wird Basler grundsätzlich: „Was mich immer ein bisschen ärgert, ist, dass viele sagen, die von früher könnten heute alle nicht mehr spielen. Das weiß doch keiner.“

Er verweist auf die Qualität seiner Generation: „Wir hatten auch große Fußballer – Thomas Häßler, Lothar Matthäus, Oliver Kahn. Das waren alles Top-Spieler.“

Und auch die Erfolge sprechen für sich: „Wir sind 1996 Europameister geworden. Das müssen die erstmal wieder schaffen. Klar, sie sind 2014 Weltmeister geworden – das ist überragend. Aber wir sind immer noch der letzte Europameister. Und ich hoffe, dass wir da nicht mehr so lange drauf warten müssen.“

Geschichten aus einer anderen Fußballzeit

Abseits des Platzes blickt Basler auch auf eine andere Fußballkultur zurück – mit einem Augenzwinkern: Früher habe man sich auch mal „Schambeinentzündungen geholt – aber garantiert nicht vom Fußballspielen“, sagt er und spielt damit auf die legendären Geschichten rund um lange Abende und Damenbesuche auf den Hotelzimmern an.

Auch vor wichtigen Spielen habe sich das Leben anders abgespielt: Hotelbars seien für ihn kein Fremdwort gewesen. Geschichten, die heute kaum noch vorstellbar sind.

„Basler ballert“ begeistert seit Jahren

Mit seinem Bühnenprogramm „Basler ballert“ ist Basler seit Jahren erfolgreich unterwegs – auch in Mannheim. „Es ist eine lustige Veranstaltung. Wir haben bewegte Bilder dabei, ich erzähle Geschichten aus meiner Karriere“, erklärt er.

Der Erfolg gibt ihm recht: „Wir sind seit sieben Jahren unterwegs und die Leute kommen immer wieder.“ Auch im Capitol zeigt sich das Interesse: „Heute volles Haus mit 700 Leuten – also es scheint die Leute zu interessieren.“

Mario Basler bleibt damit auch Jahre nach seiner aktiven Karriere eine der markantesten Stimmen im deutschen Fußball – direkt, ehrlich und immer für eine klare Meinung gut.

Erscheinung
exklusiv online
von bh
27.04.2026
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Kategorien
Fußball
Sport