
Die Betriebskosten der Buslinien 34 und 35, die von Heidelberg über Neckargemünd nach Wilhelmsfeld beziehungsweise Schönau führen, steigen seit Jahren. Betrieben werden die Linien von der Rhein-Neckar-Verkehr GmbH (rnv). Grundlage der kommunalen Kostenbeteiligung ist der sogenannte Ausgleichssatz, der festlegt, welchen Betrag die Gemeinde pro gefahrenen Kilometer an das Verkehrsunternehmen zahlt.
Seit dem Jahr 2022 werden diese Ausgleichssätze jeweils für einen Zeitraum von zwei Jahren festgelegt. Für das Jahr 2024 lag der Satz bei 1,58 Euro pro Kilometer, im Jahr 2025 beträgt er 1,59 Euro. Für das Jahr 2026 war nun eine Neuberechnung erforderlich, da die bisherigen Beträge die tatsächlichen Kosten des Busbetriebs nicht mehr ausreichend decken. Der neue Satz sollte 1,77 Euro pro Kilometer betragen.
Bei einer jährlichen Fahrleistung von rund 195.000 km auf dem Streckenabschnitt Neckargemünd hätten die Gesamtkosten für 2026 somit 345.105 Euro betragen. Dies bedeutet eine Steigerung von 35.055 Euro im Vergleich zu 2025.
Als Hauptgründe für die notwendige Anpassung wurden die allgemein gestiegenen Betriebskosten genannt. Dazu zählen insbesondere höhere Personalkosten infolge von Tarifsteigerungen, gestiegene Energie- und Treibstoffpreise sowie zusätzliche Aufwendungen in den Bereichen Verwaltung, Digitalisierung und Kundenmanagement. Zudem werden auf den Linien 34 und 35 zunehmend moderne, umweltfreundliche Fahrzeuge eingesetzt. Hierbei handelt es sich um Brennstoffzellen-Gelenkbusse, die mit Wasserstoff betrieben werden. Diese sind in Anschaffung und Betrieb deutlich kostenintensiver als herkömmliche Dieselbusse, tragen jedoch durch geringere Emissionen wesentlich zum Klimaschutz bei.
Darüber hinaus habe sich gezeigt, dass das bislang angewandte vereinfachte Abrechnungssystem die tatsächlichen Kosten nicht mehr realistisch abbilde. In mehreren Abstimmungsgesprächen zwischen der Stadt Heidelberg, der Gemeinde Neckargemünd, dem Rhein-Neckar-Kreis und der rnv wurde daher ein neuer Ausgleichssatz erarbeitet. Als Ergebnis dieser Berechnungen wurde für das Jahr 2026 ein neuer Ausgleichssatz in Höhe von 1,77 Euro pro Kilometer vorgeschlagen, um einen weiterhin zuverlässigen Betrieb der Buslinien unter veränderten wirtschaftlichen Rahmenbedingungen sicherzustellen.
Der Gemeinderat beriet am 24. Februar über diese Anpassung. Mit einem Abstimmungsergebnis von neun Ja-Stimmen und neun Nein-Stimmen bei vier Enthaltungen wurde der Beschlussvorschlag letztlich abgelehnt. Bürgermeister Jan Peter Seidel betont jedoch: „Die Busverbindungen sind aufgrund laufender Verträge schon jetzt gesichert für die nächsten Jahre. Der 35er ist essentiell für die Mobilität unserer Bürger. Dass Kommunen und Aufgabenträger angesichts der Haushaltslage um jeden Euro streiten, ist zu erwarten. Ich freue mich auf die nun folgenden weiteren Verhandlungen.“