
Mit einem außergewöhnlichen Gottesdienst verabschiedete sich die Katholische Kirchengemeinde Wiesloch von Gemeindereferentin Judith Maier-Ortseifen nach vier Jahrzehnten im Dienst der Kirche.
Die Kirche St. Laurentius war am Sonntagmorgen bis auf den letzten Platz gefüllt. Selbst zusätzliche Stühle reichten nicht aus. Wer nicht früh genug da war, musste stehen. Mehr als zwei Stunden dauerte der abwechslungsreich gestaltete Gottesdienst, der deutlich machte, wie viele Spuren Judith Maier-Ortseifen in 40 Jahren kirchlichen Wirkens hinterlassen hat – und wie groß die Dankbarkeit der Gemeinde ist.
Mit einer besonderen Idee überraschten die Ministranten: Sie hatten ihrer langjährigen Begleiterin einen „Thron“ gebaut. Von dort aus sollte sie den Gottesdienst verfolgen. „Der Glaube hat zwei Beine. Er wird durch Menschen vermittelt“, wird Maier-Ortseifen zitiert – ein Gedanke, der den Gottesdienst wie ein roter Faden durchzog.
So gestaltete Judith Maier-Ortseifen auch einen Teil des Gottesdienstes mit einem Bibeltext vom blinden Bartimäus und ging durch die Reihen, um Gedanken der Gottesdienstbesucher aufzunehmen und den Text erlebbar zu machen.
Musikalisch gestaltet wurde der Gottesdienst vom Chor Nova Cantica mit Liedern in verschiedenen Sprachen und am Ende mit einem selbstgeschriebenen Dankeslied für Maier-Ortseifen „Vierzig Jahre wie ein Tag“.
Nach sieben Jahren in Ketsch kam Maier-Ortseifen 1991 nach Wiesloch und prägte dort über Jahrzehnte die kirchliche Arbeit. Neben Kommunion- und Firmvorbereitung oder Religionsunterricht initiierte sie zahlreiche Projekte – von Frauenwallfahrten bis zu sozialen Initiativen mit Geflüchteten.
Auch ihr Engagement für Ökumene und gesellschaftliche Themen blieb vielen in Erinnerung. Die stellvertretende Wieslocher Bürgermeisterin Jutta Hilswicht würdigte sie im Namen der Stadt als „interkulturelle und interkonfessionelle Brückenbauerin“.
Zum Auszug aus der Kirche erklangen schließlich rockige Töne: „The Show Must Go On“. Kurz darauf knallten Böllerschüsse, und über Maier-Ortseifen ergoss sich im Mittelgang eine Kanone aus Glitzerkonfetti. Einige Besucher kamen staunend noch einmal zurück in die Kirche – einen solchen Abschluss hat die barocke Kirche noch nicht erlebt.
Beim anschließenden Empfang im Laurentiussaal nutzten viele die Gelegenheit, persönlich Danke zu sagen. Maier-Ortseifen selbst blickte dankbar zurück und sagte, sie freue sich nun darauf, einfach einmal sein zu dürfen: ohne müssen und sollen.