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Von Windpark bis Ärztehaus

Vorstellung der Bürgermeister-Kandidaten gut besucht

Die Vorstellung der Bürgermeister-Kandidaten von Weingarten wurde gut besucht. Vor allem Windpark und Ärztehaus waren viel gefragte Themen der Bürger.
Menschen sitzen in der Walzbachhalle auf Stühlen, vorn die Bühne der Halle.
Gespanntes Warten auf die Kandidaten-Vorstellung in der fast vollen Walzbachhalle.Foto: fri

Von Politikverdrossenheit keine Spur: Das Interesse der Weingartener Bürgerschaft an der Vorstellung der beiden Bürgermeister-Kandidaten Eric Bänziger und Gerhard Fritscher war groß, die Walzbachhalle fast voll besetzt.

Großes Thema Windpark

Es war für die Weingartener die Gelegenheit, sich von den beiden Kandidaten persönlich ein Bild zu machen und ihnen vor allem Fragen zu stellen. Und auch wenn Timo Martin, Vorsitzender des Wahlausschusses, betonte, an diesem Abend gehe es um die Bürgermeisterwahl, nicht um den Bürgerentscheid: Das Thema Windpark wurde erwartungsgemäß am häufigsten nachgefragt. Beide Kandidaten nutzten die Gelegenheit, nochmals ihre Positionen klarzustellen:

Gerhard Fritscher (Fraktionsvorsitzender CDU) lehnt Windkraft auf dem Hinteren Heuberg ab und setzt für die Erreichung der Klimaziele auf Photovoltaik. Er betonte, die Entscheidung der Bürger, für oder gegen die Verpachtung der Gemeindeflächen umsetzen zu wollen, geht aber davon aus, dass der Windpark schon alleine an den privaten Grundstücksbesitzern scheitern wird, weil ein Großteil von ihnen keinen Vorvertrag mit der EnBW geschlossen hat.

Bürgermeister Eric Bänziger (parteilos) stellte klar, dass Klimaneutralität weder mit Photovoltaik noch mit Windkraft alleine zu erreichen sei, sondern beispielsweise auch mit Geothermie. Er hält den Windpark auch dann für realisierbar, wenn der Bürgerentscheid negativ ausgeht, da es genügend private Flächen gibt, die in Frage kommen.

Der Frage nach einer Förderung privater Photovoltaik-Anlagen erteilten beide Kandidaten eine Absage: Gerhard Fritscher mit Verweis auf die Haushaltslage, Eric Bänzinger verwies darauf, dass viele Dächer schon belegt seien und darauf, dass auch die Förderung der Regenzisternen „eingeschlafen“ sei.

Kitaplätze für alle vorhanden

Auch das Thema Kindertagesstätten wurde mehrmals nachgefragt. Ob es möglich sei, die Zeiten auf den Wartelisten zu verkürzen? Und wie sich die Pro-Liberis-Insolvenz auf die Gebühren auswirke, wurde Bürgermeister Bänziger gefragt. Der widersprach: Es gebe keine Wartelisten. Wer bei der Kita-Wahl den Zweit- oder Drittwunsch akzeptiere, bekomme einen Platz. Pro Liberis habe man Unterstützung zugesagt, das jetzige Personal bleibe.

Wann kommt das Ärztehaus?

Großes Interesse bestand auch am geplanten Ärztehaus und einer Belebung der Bahnhofstraße. Wann kommt das Ärztehaus und wo parken die Leute, wollte ein Besucher wissen. Eric Bänziger erläuterte, dass die Gemeinde drei Gebäude aufgekauft hat, von denen eines für einen Neubau abgerissen werden soll. Auf dem Areal sei genug Platz für parkende Autos. Ob dies bis Ende 2027 realisiert werden könne, sei noch nicht sicher. Zuerst gehe es darum, Ärzte für das Haus zu finden. Außerdem gebe es Gespräche, um wieder einen Metzger als „Frequenzbringer“ in der Bahnhofstraße anzusiedeln.

Sein Kontrahent Gerhard Fritscher setzt bei der Belebung der Bahnhofstraße darauf, den Gewerbeverein mit einzubinden und betonte, die Geschäfte brauchten Parkplätze.

Beide Kandidaten gegen mehr Flächenverbrauch

Eine Landwirtin zeigte sich besorgt über den Flächenverbrauch durch Gewerbe und den eventuellen Windpark. Bei der Ansiedlung eines Discounters und eines Drogeriemarkts schlugen beide Kandidaten die gleiche Richtung ein. Einen weiteren Flächenverbrauch durch eine neue Ansiedlung werde es nicht geben. Lidl bekomme für die Erweiterung eine große Fläche im Sandfeld. Dies sei wichtig für die Waldbrücke-Bewohner, so Eric Bänziger. Gerhard Fritscher betonte, dass der Flächenverbrauch an der B3 für ein einstöckiges Gebäude nicht gewünscht sei. Er wolle, dass Lidl erhalten bleibt, im Zweifelsfall in Kombination mit einem anderen Drogeriemarkt als dm.

Weniger Bürokratie, mehr Digitales

Für die Bürgerinnen und Bürger ist offensichtlich auch die Verwaltung ein großes Thema. Bürokratieabbau, Digitalisierung, mehr Effizienz waren Fragen an die Kandidaten. Eric Bänziger setzt auf Digitalisierung; Gerhard Fritscher will die Verwaltung vor allem entschlacken und bürgerfreundlicher machen. Beide betonten, die Bürgerschaft bei Vorhaben stärker beteiligen zu wollen.

Viele Wünsche, wenig Geld

Vieles, was nachgefragt wurde, ist angesichts klammer Kassen schlicht zu teuer. Eine Verbesserung der Lebensumstände älterer Bürger war ein Anliegen, das an Gerhard Fritscher gerichtet wurde. Er verwies darauf, dass zunächst andernorts Geld eingespart werden müsse, ehe für verschiedene Gruppen etwas ausgegeben werde. Auch der Plan einer Ortsumfahrung, die sogenannte Südrandstraße, wird wohl aufgrund der hohen Kosten eher ein Plan bleiben. Das Regierungspräsidium habe ihn ad acta gelegt, so Bänziger.

Er musste sich den Fragen eines Bürgers stellen, der wissen wollte, ob der Bürgermeister Fahrzeuge des Bauhofs für die Arbeit im eigenen Weinberg genutzt habe. Ja, habe er, antwortete Bänziger. Mitarbeiter der Gemeinde können privat Gerätschaften ausleihen und selbstverständlich habe er die Maschinenstunden bezahlt.

Zwei Stunden dauerten Vorstellungen und Fragerunden, bis Timo Martin Punkt 21 Uhr die „sehr harmonisch“ verlaufene Veranstaltung beendete. Alle Fragen waren gestellt, alle Antworten gegeben und den beiden Bewerbern war die Anspannung anzusehen. Für sie und die Bürger bleibt es spannend bis zur Wahl am 8. März. (fri)

Eric Bänziger (links) und Gerhard Fritscher (rechts).
Die beiden Bürgermeister-Kandidaten für Weingarten: Eric Bänziger (links) und Gerhard Fritscher (rechts).Foto: fri
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von Redaktion NUSSBAUMRedaktion NUSSBAUM
26.02.2026
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