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Ein Blick auf den Weinanbau

Wo wächst unser Wein?

Ein kleiner Blick in die Weinbaugeschichte Weingartens. Im Laufe der Zeit hat sich einiges geändert.
Ein rustikales Abendessen mit Vollkornbrot, Griebenwurst und einem Glas Wein.
Die Weingartener Winzerfamilien holten ihren Haustrunk mit dem Krug aus dem Keller.Foto: Matthias Görner

Wer heute zu Beginn eines gemütlichen Abendessens eine Flasche Wein öffnet, kann kaum mehr mit Bestimmtheit sagen, wo genau die Trauben für das wohlverdiente Feierabendgetränk gewachsen sind. Dies war nicht immer so. Viele Weingartener Familien tranken ausschließlich das, was der eigene kleine Weinberg oder die selbst bewirtschaftete Obstwiese hergaben. Das war nicht jedes Jahr ein Hochgenuss, sondern immer wieder eine kleine Überraschung, aber genau in diesem Auf und Ab lag ja ein eigentümlicher Reiz.

Mit einem guten eigenen Wein konnte man Freundschaften pflegen und an Ansehen gewinnen, zumindest so lange, bis das Fässle zur Neige ging. Nicht umsonst prägte ein französischer Schauspieler den Satz: „Ein Mann ist so gut, wie der Wein, den er macht“. Liebe geht bei vielen Menschen eben nicht nur durch den Magen, sondern wohl auch über den Gaumen.

Reine Handarbeit

Die kleinen Familienweinberge waren weit verstreut. Wo immer es die Bodenverhältnisse und die Lage erlaubten, wurden Reben gepflegt. Unsere zweitjüngste und zugleich nördlichste Anbaufläche findet sich am Rande des Höhenforstes unterhalb der Gemeindeverbindungsstraße von der Siedlung Sohl zum Sallenbusch. Dort wurden im Jahr 1969 auf rund 2,2 Hektar Ackerfläche erstmals Reben gepflanzt. Grundlage dafür war ein langfristiger Pachtvertrag mit der heutigen staatlichen Vermögens- und Hochbauverwaltung des Landes Baden-Württemberg. Diese dem Stuttgarter Finanzministerium angegliederte Institution betreut die rund 37.800 Hektar in Landeseigentum befindlichen Grundstücksflächen.

Um die Anfangsinvestitionen für die im Sohl ansässigen Familien Ritter, Hartmann, Holzmüller und Hardock zu minimieren, wurde die neue Rebfläche als Weitraumanlage mit einem Reihenabstand von 2,80 Metern konzipiert. Dadurch entfielen die Anschaffungskosten für einen Weinbergschlepper, und die Bewirtschaftung erfolgte zunächst mit den bereits vorhandenen Traktoren. Bestockt wurden zunächst zwei Hektar Müller-Thurgau, im Jahr 1971 kamen 180 Ar Weißburgunder hinzu. Zunächst wurde die zukünftige Rebfläche eingeebnet und teilweise auch aufgefüllt. Die Pflanzung erfolgte in reiner Handarbeit. Die Löcher wurden von den Männern mit dem Spaten ausgehoben, die Frauen rutschen auf den Knien entlang der Rebzeilen, steckten die Pfropfreben in den Boden und verfüllten sodann die kleinen Pflanzgruben. Die kräftezehrende Arbeit nahm Tage und Wochen in Anspruch. Erst nach der Jahrtausendwende kamen auch bei uns leistungsfähige Pflanzmaschinen zum Einsatz. Diese sind in der Lage, mit einem Maschinenführer auf dem Schlepper und zwei Hilfskräften ein halbes Hektar Rebfläche in einer Stunde zu bestocken.

Wie sich das Bild veränderte

Nach der gemeinsamen Fertigstellung der neuen Rebanlage wurde die Gesamtfläche sodann in vier Parzellen geteilt und unter den beteiligten Familien verlost. Die Untergrundverhältnisse auf den zwei Hektar Fläche sind keineswegs homogen, sondern in Richtung Sallenbusch eher tiefgründig und am westlichen Rand steiniger. Dadurch war auch die Erstellung des Drahtgerüsts nicht immer einfach.

Heutzutage hat sich das Bild der Rebfläche deutlich verändert. Von der ursprünglichen Weitraumanlage ist nichts mehr übrig, sie wurde durch Neupflanzungen im Reihenabstand von zwei Metern ersetzt. Darüber hinaus haben Cabernet Mitos, Spät- und Weißburgunder den einstigen Müller-Thurgau ersetzt. Mit den Rebsorten ist es eben wie mit den Hunderassen. Mal ist mehr Dalmatiner, dann wieder eher Pudel oder Mops angesagt, und die Winzer sind kaum in der Lage, der jeweiligen Kundenpräferenz zu folgen. Doch wie sagte schon Loriot: „Ein Leben ohne Mops ist möglich, aber sinnlos“. Das Gleiche gilt wohl auch für eine gute Flasche Wein. (gö)

Ein Blick auf die Weinberge am Höheforst und die Höhenzüge des Nordschwarzwalds im Hintergrund.
In der Ruhe der Wintermonate sammeln die Reben am Höhenforst Kraft für die kommende Vegetationsperiode.Foto: Matthias Görner
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von Redaktion NUSSBAUMRedaktion NUSSBAUM
25.02.2026
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