
Wenn Herbert Grönemeyer, der seit einigen Jahren wieder in Berlin lebt, ruft, sagt keiner nein. Was viele (zumindest außerhalb der Region rund um Heidelberg) nicht wissen: Seine Band ist - anders als es der große Hit des Chefs vermuten ließe - mehrheitlich nicht in Bochum zu Hause, sondern in der Kurpfalz und im Raum Karlsruhe: Backgroundsänger Markus Zimmermann lebt in Bruchsal und neben dem Wahl-Mannheimer Keyboarder Alfred Kritzer (der in Forst aufwuchs) gehören auch Bassist Norbert Hamm aus Heidelberg und der Eppelheimer Gitarrist Stefan Zobeley zum festen Line-up der Grönemeyer-Band. Und seit mehr als 40 Jahren natürlich auch Schlagzeuger Armin Rühl aus dem Mühlhausener Teilort Rettigheim im schönen Kraichgau.
2027 soll es nach dem Willen ihres Bosses, des unermüdlichen Herbert Arthur Wiglev Clamor Grönemeyer, den alle nur als „Herbie“ kennen, wieder eine neue Platte geben. Wie immer vor großen Touren holt Grönemeyer, dessen Studioalben seit 1984 allesamt die Spitze der deutschen Charts erreichten, seine Band zum Üben in die Bundeshauptstadt. „Wir proben dann im berühmten Hansa-Tonstudio, wo schon Popgrößen wie David Bowie oder U2 Songs für ihre Platten aufnahmen“, plaudert Armin Rühl aus dem Nähkästchen.
Am 5. April feiert der leidenschaftliche Drummer bereits seinen 69. Geburtstag, sein ein Jahr älterer „Chef“ folgt ihm eine Woche später und macht dann die 70 voll. Wie er so tickt, der Gröni? „Eigentlich ist Herbert immer sehr gut drauf. Wenn an einem neuen Album gearbeitet wird, dann bleibt allerdings keine Zeit für Nebensachen.“ Volle Konzentration über zehn, zwölf Stunden am Tag sei dann angesagt. „Oft passiert es, dass alle Songs im Kasten sind, doch Herbert kommt am letzten Tag noch mit einer brillanten Idee“, lacht Rühl. „Wir sind ein bestens eingespieltes Team, das seit Jahrzehnten zusammen spielt. Daher hat der Chef mit uns auch keinen Stress. Wir sind wie eine perfekte Fußballmannschaft, die jedes Mal die Meisterschaft holt.“ Bevor die Tour von Deutschlands erfolgreichstem Musiker startet, wird auch bei Rühl in Sachen Kondition aufgerüstet. „Wandern im schönen Kraichgau“ ist da zur Vorbereitung angesagt.
Zudem arbeitet er im eigenen Weinberg, macht wie schon seine Vorfahren alles von Hand. „Reben schneiden, anbinden. Das ganze Programm.“ Schon die Eltern und Großeltern hätten ihren eigenen Wein angebaut. „Das habe ich gerne fortgeführt“, sagt Rühl, der auf den Auxerrois, einen Weißburgunderwein, schwört und seinen Job nicht als Beruf, sondern als Berufung versteht.
„Ich wollte nie etwas anderes sein, als Trommler“, bekennt der bodenständige Familienvater. Schon als Siebenjähriger durfte er in der örtlichen Blaskapelle die Marschtrommel spielen. Mit 12 Jahren bekam er sein erstes Schlagzeug, spielte in Schulbands, lernte verschiedene Musikstile kennen, sammelte Liveerfahrung. „Seitdem habe ich nie mehr aufgehört, zu trommeln.“ Nach Abschluss der Realschule in Bad Schönborn absolvierte Rühl eine Ausbildung zum Industriekaufmann, doch die Musik sollte sein ganzes Leben bestimmen. In Edo Zankis Karlsdorfer „Kangaroo-Tonstudio“ lernte er 1981 auch Grönemeyer kennen, doch es sollte noch vier Jahre dauern, bis er 1985 sein erstes „großes“ Konzert - zusammen mit Herbie vor 50 000 Menschen im Bochumer Ruhrstadion - erleben durfte. Da war sie, die große Chance, von der er geträumt hatte. Der Bochumer fand Gefallen an seinem Spiel und bekundete: „Du bist mein Mann.“ Seither und bis heute war und ist Armin Rühl ausnahmslos an allen Grönemeyer Studio- und Livealben beteiligt.
Obwohl der Schlagzeuger große Stadionkonzerte mag, ist er sehr gerne auch in kleinen Locations am Start. Der Unterschied? „Die Intimität in einem Club, der persönliche Kontakt. Das hat schon was.“ Und was hat es mit seiner lustigen Kopfbedeckung, dem roten Barett auf sich? „Ich war 1999 in New Orleans bei einem Jazzfestival. Dort habe ich bestimmt 200 Schlagzeuger gesehen. Jeder hatte ein Barett auf. Das gefiel mir.“ Heute hat er einige schwarze und rote Mützen, die ihm gut zu Gesicht stehen, wie seine Anhänger finden.
Wenn Rühl nicht gerade mit Grönemeyer unterwegs ist, sitzt er bei seinen zahlreichen Seitprojekten an der Schießbude. Seit 2005 existiert die Band „Stahl“ mit Peter Stahl (Gitarre, Gesang) und Wolfy Ziegler (Bass, Gesang). Auch mit der Formation „Starboyzz“ ist Rühl unterwegs. Mit der vom Östringer Robert Ahl vor 50 Jahren gegründeten Kultband „Galaxis“ aus dem Kraichgau spielt er mit seinem Buchenholzset immer wieder gefeierte Konzerte in der Rhein-Neckar-Region und im Kraichgau. Gerne erinnert sich Rühl, der zwischendurch auch mal ein Soloalbum namens „Hausmarke“ im eigenen Rauenberger „Trick-Studio“ produzierte, an das Jahr 1994 und die Aufnahmen zum Album „MTV-Grönemeyer-Unplugged“ in London. „Wir traten als erste nicht-englische Künstler in der legendären Royal Albert Hall auf, dem britischen Musiktempel schlechthin.“ Ein absolutes Highlight sei es bis heute, wenn im Rahmen großer, mehrwöchiger Tourneen in den Stadien aus Tausend Kehlen die Hits „Bochum“, „Zeit, dass sich was dreht“ oder „Was soll das?“ erklingen. Gänsehaut, auch für einen „alten Haudegen“. „Es geht immer weiter, hört hoffentlich nie auf“, grinst der „ewige Trommler“.
Weiter geht es in der Tat. Nach dem großen Erfolg der „Mittendrin-Akustik-Tour“ mit Band, Chor und Orchester im Vorjahr setzt „Herbie“ mit seinen Jungs - natürlich auch mit Armin Rühl - die Tournee im Februar fort. Der Start mit 13 Shows erfolgte bereits in Hannover, wobei auch Zürich und Wien im Tourkalender stehen. Am 12. Februar gastiert Grönemeyer in der Mannheimer SAP-Arena. Das Publikumsinteresse an den kommenden Shows des megaerfolgreichen Sängers, der zuletzt 2025 das Album „Unplugged – von allem anders“ veröffentlichte, ist nach wie enorm. „Herbert ist voller Tatendrang, kennt fast keine Pause“, lässt Rühl wissen. Zudem ist bereits eine Stadiontour für 2027 terminiert und geht vom 27. Mai (Kiel) bis zum 19. Juni (Gelsenkirchen) über die Bühne. In Stuttgart kann man die Formation am 8. Juni 2027 erleben. Heimspiel für die Band - quasi.

