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Seit 1999 1.Bürgermeister-Stellvertreter

Bürgermeisterwahl: Im Gespräch mit Gerhard Fritscher

Am 8. März entscheiden die Weingartener Bürger über den Rathauschef der kommenden 8 Jahre. Gerhard Fritscher stellte sich im Vorfeld zum Interview.
zwei Männer sitzen an einem Tisch, schauen sich an und reden miteinander
Gerhard Fritscher kandidiert für das Amt des Bürgermeisters in Weingarten und möchte einige Dinge verändern. Vor allem möchte er mehr Bürgernähe schaffen und die Bürger bei Entscheidungen wieder mehr mitnehmen.Foto: dyh

Am 8. März entscheiden die Weingartener Bürger über den Rathauschef der kommenden acht Jahre. Zwei Kandidaten treten an. Einer von ihnen ist Gerhard Fritscher, Fraktionsvorsitzender der CDU im Gemeinderat, der sich der Redaktion zum Interview stellte.

Der 74-Jährige sitzt bereits seit 1994 für die CDU im Gemeinderat und seit 1999 erster Bürgermeister-Stellvertreter. Er verfügt über eine technische und kaufmännische Ausbildung sowie langjährige Managementerfahrung im In- und Ausland, in den Bereichen Maschinenbau, Lager- und Systemtechnik sowie der Baubranche. Von 2001 bis 2002 war er Finanzgeschäftsführer beim KSC. Auch mit Beginn seines Ruhestandes blieb er weiterhin aktiv, um seine Erfahrungen weiterzugeben, und ist als selbstständiger Managementberater tätig. Außerdem ist Fritscher Ehrenvorstand der FVgg 1906 Weingarten.

NUSSBAUM.de: Welche drei konkreten Projekte oder Maßnahmen haben in den ersten zwei Jahren Ihrer Amtszeit oberste Priorität – und warum genau diese?

Gerhard Fritscher: Das ist natürlich stark vorgegeben durch die heutigen Projekte: Schulneubau, Sanierung der Walzbachhalle und unseren Haushalt. Unser Haushalt muss saniert werden. Wir leben momentan vom Sondervermögen bzw. vom Sonderergebnis. Und das ist immer verbunden auch mit Vermarktung, also dem Verkauf von Grundstücken.

NUSSBAUM.de: Wenn Sie sich mit den Bürgerinnen und Bürgern aus Weingarten unterhalten, wie ist Ihr Eindruck, was sind die Kernthemen, die Menschen momentan beschäftigen und wie wollen Sie hier ggf. ansetzen?

Fritscher: Ich höre von den Bürgern extrem viel Kritik, vor allem, dass sie nicht mitgenommen werden. Dass Entscheidungen getroffen werden, wie zum Beispiel, dass die Wiesenstraße vom Bürgermeister mehr oder weniger im Alleingang umgeändert wird und die Anwohner vor vollendete Tatsachen gestellt werden.

Ein weiterer Kritikpunkt ist die Bürgerfreundlichkeit, die ich verbessern möchte. Hierbei denke ich vor allem an die Reaktionszeiten des Rathauses. Die Mitarbeiter machen ihren Job gut. Doch ich kenne es aus dem Vertrieb, dass der Kunde König ist, auch wenn er einen natürlich nicht ausnutzen darf. Es geht mir um angemessene Bearbeitungszeiten: Wie schnell werden Anrufe angenommen oder Rückrufe getätigt? Wie lange dauert es, bis E-Mails oder Briefe beantwortet werden? Die Verwaltung muss hier schneller agieren.

Außerdem plane ich einen runden Tisch, zum Beispiel mit der Landwirtschaft. Die Landwirte tragen wesentlich zur Pflege unserer schönen Landschaft bei. Dort herrscht eine große Unzufriedenheit. Auch die Jugendlichen sollten stärker einbezogen werden. Bei einem Besuch bei der Mühle e. V. habe ich herausgehört, dass sich auch die Jugend mehr Mitspracherecht wünscht.

Zur Wahrheit gehört aber auch, dass zum Beispiel im Kommunalwahlkampf junge Kandidaten nur schwer zu finden sind. Auch in Gemeinderatssitzungen, die allgemein immer schlechter besucht werden, sieht man selten junge Menschen. Wenn man aber mit ihnen redet, merkt man, dass sie einfach von falschen Voraussetzungen ausgehen. Wir müssen es schaffen, die Bürger stärker mitzunehmen.

Ein weiteres Thema betrifft unsere Bahnhofstraße. Ich habe derzeit keine sofortige Lösung parat, aber wir müssen kreativ werden. Ein erster Punkt ist die Umsetzung des Mobilitäts- und Parkraumkonzepts, sodass Gewerbetreibende über eigene Parkplätze verfügen und Kunden bereit sind, dort einzukaufen. Wir müssen aber auch an die Anwohner denken, die eben nicht alle ohne weiteres in ihre Höfe einfahren können. Es gibt in der Gemeinde zu viele Autos im Verhältnis zu den Parkflächen. Deswegen muss Weingarten auch daran denken, in der Ortsmitte für zusätzliche Parkplätze zu sorgen.

NUSSBAUM.de: Was würden Sie grundlegend ändern, wenn die Weingartener Sie zum Bürgermeister wählen?

Fritscher: Ich möchte die Bürgernähe verstärken. Die Beschlüsse des Gemeinderates und der Verwaltung sind für die Bürger oft nicht nachvollziehbar, das bemerke ich immer wieder. Es geht nicht darum, die Bürger in einen erweiterten Gemeinderat aufzunehmen, sondern vielmehr darum, ihren Bedürfnissen, Ängsten und Ideen mehr Aufmerksamkeit zu schenken, anstatt ihnen im Nachhinein nur die Entscheidungen, und warum diese so getroffen worden sind, zu erklären. Natürlich sind wir ein repräsentatives Parlament und wir müssen unsere Bürger vertreten, aber ich habe manchmal das Gefühl, das wird zu wenig gemacht.

Vor allem möchte ich gerne, dass wir sachkundige Bürger in Themen einbinden, und zwar frühzeitig. Sachkundige Bürger gibt es überall. Das fängt an bei den Kindergärten, geht weiter über die Schule, über die Jugendlichen, über die Gewerbetreibenden.

Auch die Gewerbetreibenden haben im Übrigen immer das Gefühl, die Gewerbesteuer wird gerne genommen, aber ansonsten kümmert man sich nicht mehr weiter um sie. Hier müssen wir frühzeitig offensiver werden und auf die einzelnen Bereiche und die Verantwortlichen offen zugehen.

NUSSBAUM.de: Die Haushaltssituation ist in Weingarten wie in vielen anderen Kommunen angespannt. Ohne Sparen wird es nicht gehen. Doch die Frage ist wo? In welchen Bereichen sehen Sie Einsparpotenzial und wo darf Ihrer Meinung nach nicht gespart werden?

Fritscher: Ich habe den Haushalt der vergangenen Jahre maßgeblich mitgeprägt, daher gibt es nicht viele neue Ansätze. Mein Ansatz ist: sparsam wirtschaften, ohne geizig zu sein. Das fängt sehr oft im Kleinen an. Sparen, ohne aber Strukturen, Infrastruktur etc. zu zerstören. Eingriffe in die Vereinsförderrichtlinien oder die Vereinsunterstützung, die zur Substanzerhaltung dient, wird es mit mir nicht geben. Allerdings sehe ich großes Einsparpotenzial bei der Projektabwicklung durch bessere Vorbereitung und besseres Management.

Ein Beispiel dafür ist der Schulneubau, dessen prognostizierte Kosten von 60 Millionen Euro auf 40 Millionen Euro gesenkt werden konnten, indem wir auf einen Totalunternehmer umgestellt haben. Dass es dazu kam, lag an meiner Initiative, weil ich den Tipp bekam, dass die Firma Goldbeck, die ich noch von früher kenne, eine Schule in Waghäusel gebaut hat.

Ich besuchte die Firma und sprach mit ihrem Schulspezialisten, der mir bestätigte, dass unsere Schule mit den Anforderungen für 40 Millionen Euro gebaut werden kann. Dann habe ich die Verwaltung informiert und ihr empfohlen, sich mit der Firma und ihrem Spezialisten zusammenzusetzen. So konnte die Kostenreduzierung realisiert werden. Ich war derjenige, der als Ehrenamtlicher hingefahren ist und diese Idee eingebracht hat.

NUSSBAUM.de: Weingarten bekommt vom Bund aus dem Sondervermögen Infrastruktur ca. 6,5 Mio. Euro. Ein Teil davon wird für den Neubau der Turmbergschule investiert. Wofür sollte das übrige Geld eingesetzt werden?

Fritscher: Wir haben Zuschüsse angefragt für die Walzbachhalle und sicher später auch für die Schule. Es ist so: Sie brauchen erstmal ein Projekt und dann bekommen Sie dafür einen Zuschuss. Ein neues Projekt, für das ich schon viele Jahre kämpfe, wäre zum Beispiel das Freibad, also das Freibecken. Ein Schwimmerbecken als Ergänzung zu unserem Kinderbecken. Wir hatten das auch schon im Haushalt eingestellt. Wenn wir einen Zuschuss von 80 % bekämen, könnten wir das umsetzen.

NUSSBAUM.de: Die Ansiedlung eines Ärztehauses ist bereits ein längeres Thema. Nun scheint es hier voranzugehen. Wie wichtig ist dies für die medizinische Versorgung in der Gemeinde?

Fritscher: Bereits 2013 hat die CDU-Fraktion einen Antrag gestellt, der bis heute nicht umgesetzt wurde. Die medizinische Versorgung in Weingarten hat sich bislang nicht verschlechtert, jedoch wird die verbleibende Zeit von zwei Arztpraxen immer kürzer. Sollte es gesundheitliche oder persönliche Veränderungen geben, könnten wir schnell ohne diese Praxen dastehen. Daher hätten wir erwartet, dass das Thema frühzeitig angegangen wird.

Der Bürgermeister hat einen Platz für ein solches Ärztehaus schon vor Jahren gefunden, über den aber nie offiziell abgestimmt worden ist, und seither ruht es. Mir hat ein Arzt gesagt, dass er noch nie in eine Gesprächsrunde eingeladen wurde. Ich selbst war bei Ärztespezialist Jürgen Mayer, der beim diesjährigen Neujahrsempfang einen Vortrag gehalten hat, und habe mir angeguckt, wie könnte der uns helfen. Doch das Thema wurde immer wieder hin und her geschoben. Auf unsere Nachfrage erklärte der Bürgermeister immer wieder, dass ohne Ärzte kein Ärztehaus entstehen könne, während der Ärztespezialist Jürgen Mayer auf eine Ist-Analyse der Verwaltung wartete, um zu klären, welche Ärzte, Apotheken, Physiotherapeuten und andere medizinische Bereiche in ein solches Ärztehaus eingebunden werden könnten.

Wir müssen auch versuchen, dass wir den ein oder anderen Facharzt nach Weingarten lotsen. Aber das entscheidet letztlich die Kassenärztliche Vereinigung. Wenn ich Bürgermeister werde, werde ich mit der Firma Mayer schnell Kontakt aufnehmen und klären, was sie benötigen. Dann muss man alle Ärzte und anverwandten Praxen an einen Tisch holen und eine Ist- und Zukunftsanalyse durchführen.

NUSSBAUM.de: Der Neubau Turmbergschule ist eines der Großprojekte der Gemeinde. Wenn nach Fertigstellung auf dem Festplatz das alte Areal frei wird, was soll dann mit dem alten Standort passieren? Wie kann dieser sinnvoll genutzt werden?

Fritscher: Über die künftige Gestaltung dieses Areals sollte in einem offenen Wettbewerb entschieden werden. Denn es gibt da bestimmt viele gute Ideen. Ich persönlich kann mir auch vorstellen, dass wir dort mit einer Tiefgarage unsere Parkprobleme in der Ortsmitte in den Griff bekommen könnten.

Die Schule wird in circa vier Jahren auf den Festplatz ziehen. Natürlich könnte man dann parallel schon beginnen und Ideen sammeln. Es wäre eine gute Gelegenheit, dass sich Weingarten komplett beteiligt, also dass wir Ideen der Bevölkerung aufnehmen.

Wir haben im Oktober 2024 einen Grundsatzbeschluss gefasst, der stark von einem Kompromissvorschlag geprägt war. Schon damals habe ich dafür plädiert, einen Projektmanager einzusetzen, der das pädagogische Konzept prüft und daraus die benötigten Flächen, die Kosten und die Finanzierung ableitet. Im Haushalt sind 40 Millionen Euro eingeplant. Wir haben aber jetzt noch keine Sicherheit, ob dieser Betrag ausreicht.

Ich aber stehe hinter dem Neubau. Denn der Platz am heutigen Schulareal reicht nicht.

zwei Männer sitzen an einem Tisch und schauen in die Kamera
Gerhard Fritscher kandidiert für das Amt des Bürgermeisters in Weingarten und möchte einige Dinge verändern. Vor allem möchte er mehr Bürgernähe schaffen und die Bürger bei Entscheidungen wieder mehr mitnehmen.Foto: dyh

NUSSBAUM.de: Wie steht es Ihrer Ansicht nach um den Einzelhandel und allgemein um die Ortsmitte? Was muss hier getan werden?

Fritscher: Wir stehen mit diesem Problem nicht allein da. Das kennen viele Kommunen. Hier kann man nicht jemandem Einzelnen die Schuld geben. Das Thema betrifft uns alle. Wir wollen, dass die Ortsmitte belebt wird. Das geschieht durch attraktive Einzelhändler, Kaffees etc.

Der Verlust der Metzgerei Kunzmann hat uns einen wichtigen Frequenztreiber gekostet, aber das liegt in der Natur der freien Wirtschaft, und die Gemeinde kann dafür zunächst nichts. Den Metzger der Vergangenheit wird es in der Form so nicht mehr geben. Und die größeren Discounter, die eine Alternative anbieten, die kann man damit nicht mehr vergleichen. Wir haben in Weingarten den Nahkauf, der einen Metzger hat, und der zwangsläufig stark frequentiert ist.

NUSSBAUM.de: Viel diskutiert wird auch über eine mögliche Ansiedlung von Aldi und dm am Ortsrand. Nun ist auch noch Lidl im Gespräch. Es gibt aber auch kritische Stimmen zur Ansiedlung. Wie stehen Sie dazu?

Fritscher: Es gibt Gemeinderäte, die waren offen und haben gesagt, dass man das dem Markt überlassen solle. Ich habe mich stark dafür eingesetzt, dass der Lidl zur Absicherung der Waldbrücke westlich der Bahn bleibt. Dass nun auch der Lidl größere Flächen wünscht, kommt uns entgegen. Es gibt Bestrebungen, ihn am Sandfeld anzusiedeln und um einen Drogeriemarkt zu ergänzen. Denn nachdem die örtliche Drogerie Weickum aufgehört hat, wird eine neue dringend benötigt. Damit sichern wir auch die Waldbrücke und das Unterdorf ab.

NUSSBAUM.de: Wie lässt sich aus Ihrer Sicht ein Spagat zwischen attraktiver Nahversorgung und dem Schutz der Ortsmitte schaffen?

Fritscher: Der Nahkauf zeigt, dass es funktionieren kann. Wir haben im Wesentlichen zwei große Kundengruppen. Die eine Gruppe fährt mit dem Auto, oft mit der Familie, samstags zu Rewe, Aldi, dm etc., um einzukaufen. Das ist ihr bevorzugtes Einkaufsverhalten. Die andere Gruppe besteht aus älteren Menschen, die entweder nicht mehr Auto fahren oder weniger mobil sind und daher im Nahkauf einkaufen. Deshalb müssen wir beide Bedürfnisse berücksichtigen.

Wir müssen neben dem Nahkauf auch andere Einzelhändler halten, aber ich kann mir nicht vorstellen, wie wir als Gemeinde wirtschaftlich eingreifen sollen. Ich verspreche mir da auch Ideen in einem offenen Gespräch mit dem Gewerbeverein.

NUSSBAUM.de: Wenn Sie gewählt werden, was für ein Bürgermeister möchten Sie sein? Anders formuliert: Was dürfen die Bürgerinnen und Bürger von Ihnen erwarten?

Fritscher: Die Bürger können von mir erwarten, dass ich das Amt mit Leib und Seele ausführen werde. Obwohl ich meine Grundeinstellung zur kommunalen Politik als CDU-Mitglied beibehalte, werde ich das Bürgermeisteramt neutral führen, wie ich es bereits 2021 während der Vertretung von Bürgermeister Bänziger bewiesen habe. Das bedeutet auch, dass ich als Bürgermeister keine Fraktionssitzungen mehr mit meinen ehemaligen Kollegen abhalten werde.

Aber ich steige nicht als Verwalter ein. Das ist mir ganz wichtig, zu betonen. Ich möchte Ansprechpartner für alle sein, egal ob es sich um einen kleinen Bürger mit einem kleinen Problem oder einen großen Gewerbesteuerzahler handelt. Ich plane, den Abwicklungsbereich stärker der Verwaltung zu überlassen. Als Rathauschef muss man nicht alles selbst entscheiden, sondern die Regeln vorgeben und die Mitarbeiter ihre Arbeit machen lassen. So bleibt Raum für kreative Ideen und den Aufbau von Kontakten.

Damit meine ich aber nicht einfach nur durch den Ort zu laufen, um ein Brötchen zu holen oder Geburtstagsbesuche zu machen, sondern wirkliche Gespräche mit Leuten zu führen. Dieser Tage war ich in einem Geschäft und habe dort die Frage gestellt habe, ‚wie sind Sie denn eigentlich mit ihrem Geschäft zufrieden?‘ Die Frau meinte zu mir, diese Frage habe ihr in Weingarten noch niemand vom Rathaus gestellt. Das ist so ein Ansatz, um zu zeigen, dass man ein bisschen mehr wissen muss, um zu sehen, wo man helfen kann.

Ein Bürgermeister und eine Gemeindeverwaltung können nicht alles leisten. Wir können steuern, Rahmenbedingungen schaffen und helfen, Ergebnisse zu verbessern. Wir können die Motivation stärken, im Ort einzukaufen. Denn um einen lokalen Betrieb zu unterstützen, muss ich auch vor Ort kaufen und nicht alles übers Internet bestellen. Aber wir können hier als Gemeinde nur begrenzt eingreifen.

NUSSBAUM.de: Der Job als Bürgermeister nimmt viel Zeit und Energie in Anspruch. Was tun Sie, um mal zwischendurch den Kopf freizukriegen? Wie sorgen Sie für sich persönlich für den nötigen Ausgleich?

Fritscher: Ich wohne im Ort und habe daher keine lange Anfahrt zum Rathaus, was mir bereits mehr Zeit verschafft. Ich bin sehr gut organisiert und strukturiert, was ich während meiner viermonatigen Vertretung von Herrn Bänziger festgestellt habe – eine gute Organisation erleichtert die Bewältigung von Aufgaben erheblich.
Der private Ausgleich ist in jedem Fall ganz wichtig. Ich gehe mit meiner Frau sehr viel durch den Wald und mache Spaziergänge. Ich wohne in der Waldbrücke und dort kann man wunderbar eine Runde am Baggersee entlang drehen.

Zudem besuche ich regelmäßig Sportveranstaltungen wie Fußball oder Ringen sowie Konzerte in Weingarten, um den Kopf freizubekommen. Außerdem bin ich ein begeisterter Kurzzeiturlauber und reise seit über 40 Jahren nach Österreich, wo wir zeitweise gelebt haben. Dort verbringen wir oft drei bis fünf Tage. Zum Glück schlafe ich auch regelmäßig meine 7–8 Stunden. Das ist auch viel wert.

Noch ein Gedanke zu meinem Alter: Für manche mag es eine Rolle spielen, für andere nicht. Niemand weiß, was die Zukunft bringt, und es kann immer etwas passieren, unabhängig vom Alter. Trotz des Altersunterschieds bin ich mit den Anliegen der jungen Menschen vertraut, da ich zwei Töchter und drei Enkel habe. Meine Enkel sind zwischen 17 und 22 Jahre alt. Eine Enkelin studiert momentan in Heidelberg, die andere hat gerade beim Steuerberater eine Lehre begonnen, und der 17-Jährige steht vor dem Abitur. So bleibe ich über die Wünsche und Bedürfnisse dieser Generation informiert.

Ich sehe mich auch als Vorreiter, dass ein Weingärtner wieder Bürgermeister wird. Ich sehe mich als Vorreiter für junge Leute, die wir in Weingarten haben, die diese Laufbahn auch machen könnten, sich aber heute noch nicht trauen, weil die ganze Zeit eigentlich immer darauf Wert gelegt wurde, dass ein Auswärtiger das Amt ausübt, und dann noch am liebsten ein parteiloser, wobei kein Mensch wirklich parteilos ist.

Ich möchte erreichen, dass nach mir auch wieder Jüngere aus dem Ort nachrücken. Doch ich habe vor, das Amt die vollen acht Jahre auszuüben, bin aber genauso selbstkritisch, wenn sich etwas bei mir verändert, dass ich dieser Anforderung nicht mehr gewachsen bin, dann habe ich auch kein Problem, das Amt aufzugeben.

NUSSBAUM.de: Was ist ihr Lieblingsplatz/-ort in Weingarten und was verbinden Sie mit diesem?

Fritscher: Mein Lieblingsplatz ist der Katzenberg, weil ich von dort den schönsten Blick auf unsere Gemeinde habe und schon als kleiner Junge immer mit meinem Vater am Weinberg war.

Das Interview führte Felix Haberkorn.

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von Redaktion NUSSBAUMRedaktion NUSSBAUM
24.02.2026
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Weingarten (Baden)
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